13 Situationen im Familienalltag, die viele Mütter überfordern

Manchmal ist es gar nicht das große Drama – sondern die Summe der ganz normalen Dinge

Gestern war wieder so ein Tag.

Kein riesiger Zusammenbruch. Kein offensichtlicher Ausnahmezustand. Nichts, bei dem der ein oder andere von außen eventuell sofort sagen würde: „Klar, dass dich das überfordert.“ Und trotzdem war mein Kopf plötzlich voll. Nicht nur gedanklich, sondern auch körperlich. Mein Magen macht in solchen Momenten oft als Erstes dicht. Krämpfe, ein unangenehmes Ziehen im Bauch, dieses diffuse Gefühl von innerem Stress, den ich gar nicht richtig greifen kann. Und irgendwann ist dann klar: Der Tag ist gelaufen.

Während ich mit ein paar Freundinnen schrieb, fragten sie, wie es mir geht. Also erzählte ich von meinem Magen. Natürlich kam ziemlich schnell die Frage: „Was hast du denn gerade für Stress?“ Und während ich anfing aufzuzählen, merkte ich selbst, wie banal das alles klang.

Spontane Spieldates organisieren.
Mehrere Geburtstagseinladungen in dieser Woche.
Eigentlich müsste ich noch mit unserem –Tier zum Tierarzt.
Nächste Woche stehen zwei Arzttermine an.
Morgen ist Elternabend.
Der Papa ist auf Dienstreise.
Der Haushalt wartet auch noch.
Und natürlich gibt es da auch noch meine Arbeit.

Während ich das schrieb, dachte ich plötzlich: Woah… das klingt doch völlig normal. Nichts davon ist ein Weltuntergang. Nichts davon ist außergewöhnlich. Nichts davon ist mehr als das, was viele andere Mütter wahrscheinlich jeden Tag irgendwie mittragen.

Und genau in diesem Moment kam dieses unangenehme Gefühl hoch:

Warum überfordert mich das dann so?
Warum scheint mein Kopf so schnell voll zu sein?
Warum wirken andere oft, als würden sie das einfach mit links wegorganisieren?

Diese Gedanken kennen viele Mütter. Gerade dann, wenn der Kopf ständig voll ist, der Alltag sich wie ein riesiger Berg aus Kleinigkeiten anfühlt und man selbst kaum sagen kann, warum gerade alles so viel ist.

Doch genau an diesem Punkt taucht bei manchen Frauen eine Frage auf, über die noch viel zu wenig gesprochen wird:

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Ist das eigentlich einfach Mamasein – oder könnte auch ADHS dahinterstecken?

Der Familienalltag ist laut, chaotisch, voll und fordernd. Mental Load, Organisation, Termine, emotionale Begleitung, Verantwortung und Daueransprechbarkeit gehören für viele Mütter ganz selbstverständlich dazu. Und trotzdem merken manche Frauen irgendwann: Mein Kopf fühlt sich anders an. Nicht einfach nur müde, nicht einfach nur gestresst. Sondern dauerhaft überfüllt, sprunghaft, reizoffen, schwer sortierbar.

Gedanken springen ständig weiter – Struktur kostet unglaublich viel Kraft – Kleine Aufgaben wirken plötzlich riesig. Und gleichzeitig entstehen immer neue Ideen, neue Verknüpfungen, neue To-dos. Gerade bei Frauen bleibt ADHS lange unentdeckt. Viele haben früh gelernt zu funktionieren, sich anzupassen und irgendwie mitzuhalten. Erst im Familienalltag wird sichtbar, wie viel Energie Organisation, Reizverarbeitung und Mental Load tatsächlich kosten.

 

Deshalb stellen sich immer mehr Frauen irgendwann diese Frage: Ist das einfach normales Mamasein? Oder steckt vielleicht doch mehr dahinter? Die Wahrheit ist oft nicht schwarz oder weiß. Nicht jedes Chaos ist ADHS. Nicht jede Überforderung bedeutet automatisch Neurodivergenz. Aber manchmal lohnt es sich, genauer hinzuschauen. In diesem Artikel geht es um 13 typische Situationen aus dem Familienalltag, die viele Mütter überfordern – und bei denen manche beginnen, sich genau diese Frage zu stellen.

Hinweis:
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Diagnose. Er soll dir helfen, dich selbst besser einzuordnen, dich wiederzuerkennen und freundlicher auf deinen Alltag zu schauen.

13 Situationen im Mama-Leben: ADHS oder normaler Familienalltag?

1. Dein Kopf fühlt sich ständig überfüllt an

Du denkst gleichzeitig an den Kinderarzttermin, die Einkaufsliste, die Klassenfahrt, die unbeantwortete WhatsApp-Nachricht, die Wäsche, das Geschenk für den Kindergeburtstag und daran, dass eigentlich auch noch der Elternbrief unterschrieben werden müsste. Dein Kopf fühlt sich an wie ein Browser mit 30 offenen Tabs – und irgendwo läuft noch Musik, obwohl du nicht weißt, woher. Viele Mütter kennen dieses Gefühl. Mental Load gehört zum Familienalltag nun einmal dazu. Und trotzdem gibt es Frauen, bei denen dieser Gedankenstrom besonders intensiv ist. Nicht nur voll, sondern fast ununterbrochen. Nicht nur anstrengend, sondern regelrecht blockierend.

Was dahinterstecken kann

Mamasein bedeutet, ständig vieles im Blick zu haben. Bei ADHS kann dieses innere Gleichzeitigkeitserleben jedoch noch stärker ausgeprägt sein. Gedanken lassen sich schwer sortieren, springen schnell weiter und verursachen oft das Gefühl, innerlich nie wirklich „fertig“ zu sein.

Mini-Impuls für deinen Alltag

Schreib alles aus dem Kopf heraus, statt es darin festzuhalten. Nicht schön, nicht sortiert, nicht perfekt. Einfach raus damit. Eine Liste, ein Notizbuch oder ein Zettel auf dem Küchentisch kann helfen, den inneren Druck kurz zu senken.

2. Ordnung funktioniert – aber nur kurz

Du räumst auf. Sortierst. Schaffst Systeme. Beschriftest vielleicht sogar Körbe oder Schubladen. Und für einen kurzen Moment fühlt sich alles richtig gut an. Klar. Aufgeräumt. Griffbereit. Ein paar Tage später sieht es wieder chaotisch aus. Und dann kommt oft sofort dieser Gedanke: Warum kriege ich das nicht einfach hin Natürlich ist Unordnung in Familien normal. Wo Kinder leben, wird benutzt, bewegt, gesucht, getragen, hingelegt und vergessen. Und trotzdem erleben manche Frauen, dass Ordnungssysteme bei ihnen nie dauerhaft greifen. Nicht, weil sie faul wären. Sondern weil das Aufrechterhalten oft viel schwerer ist als das einmalige Aufräumen.

Was dahinterstecken kann

Bei ADHS ist nicht unbedingt das Verstehen eines Systems das Problem, sondern das dranbleiben, beibehalten und automatisieren. Was heute logisch erscheint, ist morgen im Alltag plötzlich nicht mehr greifbar.

Mini-Impuls für deinen Alltag

Mach es so einfach wie möglich. Offene Körbe, Sammelboxen, feste Ablageorte auf Augenhöhe oder sichtbare Lösungen funktionieren im Familienleben oft besser als komplizierte Perfektionssysteme.

3. Du hast ständig neue Ideen

Während andere noch überlegen, wie sie einen Kindergeburtstag gestalten könnten, hast du innerlich längst: Ein Motto, ein Farbkonzept, ein Bastelprojekt, drei Spielideen, die passende Deko und vielleicht schon einen Namen für die Einladung. Was für andere nach „zu viel“ aussieht, fühlt sich für dich oft ganz normal an. Ideen kommen schnell. Verbindungen entstehen sofort. Kreative Lösungen sind plötzlich einfach da.

Das kann wunderschön sein. Und gleichzeitig anstrengend. Denn mit jeder neuen Idee kommt oft auch das Gefühl: Ich müsste daraus eigentlich sofort etwas machen.

Was dahinterstecken kann

Viele Menschen mit ADHS sind sehr kreativ, verknüpfen schnell und denken assoziativ. Das ist eine große Stärke – kann aber auch dazu führen, dass der Kopf nie wirklich still ist.

Mini-Impuls für deinen Alltag

Nicht jede Idee muss sofort umgesetzt werden. Lege dir einen festen Ort für Ideen an: ein Notizbuch, eine Handy-Notiz oder eine Sprachmemo. So geht nichts verloren, ohne dass du alles gleichzeitig tragen musst.

4. Routinen fallen dir schwer

Viele Familien profitieren von festen Abläufen. Morgens anziehen, Brotdose packen, Hausaufgaben machen, Abendritual, Schlafenszeit. Und trotzdem gibt es Tage – oder ganze Phasen –, in denen genau das unglaublich schwerfällt. Nicht, weil du Routinen nicht willst. Sondern weil sie sich entweder nicht stabil halten lassen oder schnell wieder auseinanderfallen.

Was dahinterstecken kann

Routinen geben Halt – können sich bei ADHS aber auch schnell eng, langweilig oder schwer greifbar anfühlen. Sobald ein Tag anders läuft, kippt oft der ganze Ablauf.

Mini-Impuls für deinen Alltag

Versuch nicht, perfekte Routinen zu erzwingen. Oft hilft eine grobe Struktur mehr als ein starrer Plan. Denk lieber in Zeitfenstern oder kleinen Ankern als in exakten Abläufen.

5. Du kannst dich stundenlang in Dinge vertiefen

Wenn dich etwas begeistert, kannst du komplett darin versinken. Du arbeitest an deiner Website. Du gestaltest etwas Kreatives. Du stellst Schmuck her. Du recherchierst ein Thema und plötzlich sind mehrere Stunden vorbei. Währenddessen vergisst du vielleicht zu trinken, zu essen oder auf die Uhr zu schauen. Von außen wirkt das manchmal wie extreme Disziplin oder besonderer Fleiß. Innerlich fühlt es sich eher so an, als würdest du in einem Tunnel sein.

Was dahinterstecken kann

Dieses Phänomen wird oft Hyperfokus genannt und kommt bei ADHS häufig vor. Nicht alles ist dann schwer – manches zieht die gesamte Aufmerksamkeit komplett an sich.

Mini-Impuls für deinen Alltag

Nutze diese Phasen bewusst für Dinge, die dir wichtig sind. Stell dir aber kleine äußere Anker: Timer, Trinkpausen, Erinnerungen oder eine Notiz neben dir, damit du zwischendurch wieder auftauchst.

6. Geräusche und Reize überfordern dich schnell

Mehrere Gespräche gleichzeitig. Kinder, die etwas wollen. Musik im Hintergrund. Ein blinkendes Handy. Ein Fernseher, der nebenbei läuft. Vielleicht noch Kochgeräusche oder Streit unter Geschwistern. Und plötzlich ist alles zu viel. Nicht nur nervig, sondern körperlich anstrengend. Als würde dein ganzes System dichtmachen.

Was dahinterstecken kann

Viele Menschen reagieren sensibler auf Reize. Bei ADHS kann Reizverarbeitung schneller an ihre Grenze kommen. Dann ist nicht der einzelne Ton das Problem, sondern die Summe von allem gleichzeitig.

Mini-Impuls für deinen Alltag

Suche dir kleine Ruheinseln. Nicht erst abends, wenn gar nichts mehr geht. Schon zehn Minuten ohne Geräusche, ohne Fragen und ohne Input können helfen, dein Nervensystem wieder etwas zu beruhigen.

7. Du vergisst ständig kleine Dinge

Der unterschriebene Elternbrief liegt fertig auf dem Tisch – aber nicht in der Schultasche. Der Sportbeutel bleibt zuhause. Der Arzttermin fällt dir erst wieder ein, wenn er schon vorbei ist. Die Nachricht, die du „gleich kurz beantworten“ wolltest, bleibt offen. Das passiert natürlich vielen Eltern. Der Alltag ist voll und niemand hat immer alles im Griff. Aber wenn solche Dinge ständig passieren, obwohl du dich wirklich bemühst, kann das sehr frustrierend sein.

Was dahinterstecken kann

Bei ADHS sind Arbeitsgedächtnis und Alltagsorganisation oft besonders herausgefordert. Dinge, die nicht sichtbar oder unmittelbar präsent sind, rutschen schnell aus dem Fokus.

Mini-Impuls für deinen Alltag

Mach Wichtiges sichtbar. Nicht nur digital. Oft helfen reale Erinnerungen besser: ein Zettel an der Tür, ein Korb im Flur, eine Tasche an einem festen Platz oder Dinge direkt vor den Ausgang legen.

8. Emotionen sind besonders intensiv

Freude kann riesig sein. Begeisterung übersprudelnd. Frust plötzlich überwältigend. Wut heiß und unmittelbar. Enttäuschung richtig tief. Viele Frauen erleben Emotionen sehr intensiv, ohne das lange einordnen zu können. Nach außen sieht das manchmal „zu empfindlich“ aus. Innen fühlt es sich einfach nur stark an.

Was dahinterstecken kann

Emotionsregulation ist bei ADHS oft ein wichtiges Thema. Gefühle sind nicht falsch – aber sie kommen manchmal schneller, kräftiger oder unmittelbarer.

Mini-Impuls für deinen Alltag

Versuch, kleine Pausen früher wahrzunehmen – nicht erst dann, wenn alles schon überläuft. Ein kurzer Moment allein, ein paar Atemzüge, kurz aus dem Raum gehen oder etwas Kaltes trinken kann manchmal überraschend viel verändern.

9. Du fühlst dich oft „zu viel“

Zu viele Gedanken. Zu viele Ideen. Zu viele Gefühle. Zu viele offene Baustellen. Zu viele Reaktionen. Gerade im Vergleich mit scheinbar perfekt organisierten Familien entsteht schnell der Eindruck, selbst irgendwie falsch zu funktionieren. Aber was von außen ruhig wirkt, ist von innen nicht automatisch leicht. Und was bei dir intensiv ist, ist nicht automatisch falsch.

Was dahinterstecken kann

Viele neurodivergente Frauen haben früh gelernt, dass sie „mehr“ sind als andere – mehr Gefühl, mehr Chaos, mehr Impulse, mehr Erschöpfung. Daraus entsteht oft ein tief sitzendes Gefühl von „Mit mir stimmt etwas nicht“.

Mini-Impuls für deinen Alltag

Vergleich dich weniger mit Außenbildern.
Fast niemand zeigt den vollen Alltag nach innen. Frag dich lieber: Was brauche ich gerade? statt Warum bin ich nicht wie die anderen?

10. Du erkennst dich plötzlich in ADHS wieder

Ein häufiges Szenario: Das eigene Kind wird getestet. Oder du beschäftigst dich aus irgendeinem anderen Grund mit dem Thema ADHS. Während du liest, informierst und versuchst zu verstehen, passiert plötzlich etwas Unerwartetes: Du erkennst dich selbst wieder. In der Reizoffenheit. In den Gedankensprüngen. In der Überforderung mit Alltagsorganisation. In der Kreativität. Im Gefühl, gleichzeitig viel zu wollen und doch an Kleinigkeiten zu scheitern.

Was dahinterstecken kann

Tatsächlich entdecken viele Frauen ihre eigene Neurodivergenz genau auf diesem Weg. Nicht, weil sie plötzlich Symptome „suchen“, sondern weil sie sich in Erklärungen zum ersten Mal wirklich gesehen fühlen.

Mini-Impuls für deinen Alltag

Informiere dich in Ruhe weiter. Nicht panisch. Nicht sofort mit dem Druck, alles klären zu müssen. Allein Wissen und Einordnung können schon unglaublich entlastend sein.

11. Du bist nach sozialen Terminen völlig erschöpft

Kindergeburtstage, Spielverabredungen, Elternabende oder Familienfeiern sind nicht automatisch schlimm. Manchmal sind sie sogar schön. Und trotzdem bist du danach völlig leer. Nicht, weil du die Menschen nicht magst.
Sondern weil so viele Reize, Gespräche, Eindrücke, Anforderungen und kleine soziale Signale gleichzeitig unglaublich viel Kraft kosten.

Was dahinterstecken kann

Soziale Situationen bedeuten oft Multitasking: zuhören, reagieren, organisieren, beobachten, begleiten, freundlich sein, präsent bleiben. Für ein reizoffenes Nervensystem kann das extrem anstrengend sein.

Mini-Impuls für deinen Alltag

Plane nach solchen Terminen bewusst Entlastung ein. Nicht als Luxus, sondern als Notwendigkeit. Selbst kurze Ruhephasen, leise Zeit oder ein bewusster Übergang danach können helfen.

12. Du schiebst Dinge lange vor dir her

Du weißt genau, dass du einen Termin machen musst. Eine Mail beantworten. Ein Formular ausfüllen. Eine Nachricht schreiben. Und trotzdem tust du es nicht, nicht, weil es dir egal ist, nicht, weil du faul bist. Sondern weil schon der Anfang sich seltsam schwer anfühlt. Je länger du wartest, desto größer wird die Hürde. Und irgendwann entsteht daraus zusätzlich schlechtes Gewissen.

Was dahinterstecken kann

Bei ADHS ist nicht nur das Tun an sich schwierig, sondern oft das Starten. Aufgaben, die langweilig, unübersichtlich oder emotional unangenehm sind, fühlen sich schnell viel größer an, als sie objektiv sind.

Mini-Impuls für deinen Alltag

Nimm dir nicht die ganze Aufgabe vor. Nur den ersten Mini-Schritt. Nur die Nummer raussuchen. Nur die Mail öffnen. Nur den Betreff schreiben. Oft wird es leichter, sobald Bewegung reinkommt.

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13. Du bist unglaublich kreativ – aber schnell überfordert

In deinem Kopf entstehen ständig Ideen. Projekte. Lösungen. Bilder. Texte. Konzepte. Möglichkeiten. Das ist etwas Wunderschönes. Und manchmal eben auch zu viel. Denn jede Idee bringt auch Energie mit. Aufmerksamkeit. Möglichkeiten. Vielleicht sogar den Wunsch, sie sofort umzusetzen. Irgendwann kippt genau das, was eigentlich deine Stärke ist, in Überforderung.

Was dahinterstecken kann

Kreativität und Überforderung liegen bei vielen neurodivergenten Menschen nah beieinander. Ein schneller, offener, ideenreicher Kopf ist ein Geschenk – aber eben auch nicht immer leise.

Mini-Impuls für deinen Alltag

Nicht jede Idee braucht sofort Raum. Mach eine „Später-Liste“ für alles, was gut ist, aber gerade nicht dran ist. Das entlastet, ohne deine Kreativität kleinzumachen.

Warum ADHS bei Müttern oft erst spät erkannt wird

Viele Frauen erhalten ihre ADHS-Diagnose nicht in der Kindheit, sondern erst mit 30, 40 oder noch später. Das hat viele Gründe. Viele Mädchen lernen früh, sich anzupassen.

Sie fallen nicht unbedingt laut auf. Sie stören nicht zwingend den Unterricht. Sie kompensieren. Sie beobachten. Sie versuchen mitzuhalten. Sie wirken nach außen vielleicht verträumt, sensibel, kreativ oder chaotisch – aber nicht so, wie viele sich ADHS klassisch vorstellen.

Dadurch bleibt vieles lange unerkannt.

Im Familienalltag wird sichtbar, wie viel Kraft Anpassung kostet

Erst wenn zum eigenen Leben noch Kinder, Verantwortung, Termine, Mental Load, emotionale Präsenz und Alltagsorganisation dazukommen, wird oft deutlich, wie sehr das System eigentlich schon lange auf Kante läuft. Der Alltag mit Kindern fordert gleichzeitig Planung, Organisation, Multitasking, Reizverarbeitung, emotionale Begleitung, spontane Umstellung und Verantwortung. Wenn das Gehirn anders arbeitet, kann genau dieser Alltag besonders kräftezehrend sein.

Wenn du vieles erst jetzt bemerkst, heißt das nicht, dass du dir etwas einredest. Es kann auch einfach bedeuten, dass dein Alltag gerade sichtbarer macht, was schon lange da war.

Mamasein und Neurodivergenz: Es geht nicht nur um Schwierigkeiten

Bei all dem ist mir eines besonders wichtig: ADHS oder Neurodivergenz bedeutet nicht nur Chaos, Überforderung und Probleme. Viele neurodivergente Mütter bringen Fähigkeiten mit, die im Familienleben unglaublich wertvoll sind.

Stärken, die oft übersehen werden

Da ist oft enorme Kreativität, viel Fantasie, starke Empathie, Begeisterungsfähigkeit, spontane Problemlösung, intensives Mitfühlen, ein feiner Blick für Bedürfnisse und tiefe Verbundenheit mit den eigenen Kindern

Was im Alltag manchmal anstrengend ist, ist oft gleichzeitig auch die Quelle von Nähe, Ideenreichtum und besonderen Lösungen.

Für Dich

Du bist nicht nur deine Überforderung. Nicht nur dein Chaos. Nicht nur deine offenen Tabs. Vielleicht trägst du auch genau die Eigenschaften in dir, die dein Familienleben warm, kreativ, lebendig und besonders machen.

Fazit:

Der Familienalltag ist anstrengend.
Für jede Mutter. Und ja, vieles von dem, was überfordert, gehört einfach dazu. Kinder bringen Lautstärke, Unvorhersehbarkeit, Mental Load und emotionale Dauerpräsenz mit sich. Und trotzdem gibt es Frauen, die irgendwann spüren: Da ist noch etwas mehr. Nicht dramatisch, nicht immer eindeutig. Aber spürbar. Vielleicht funktioniert dein Gehirn einfach anders. Vielleicht erklärt das manches. Vielleicht ist es aber auch einfach eine besonders volle Lebensphase.
Vielleicht ist es eine Mischung aus beidem.

Und genau das ist oft die ehrlichste Antwort: Die Wahrheit ist selten ein Entweder-oder. Manches ist einfach Mamasein. Manches hat vielleicht mit ADHS oder Neurodivergenz zu tun. Und manches ist beides gleichzeitig. Das Wichtigste ist deshalb nicht, sofort eine endgültige Antwort zu finden. Sondern dich selbst ernst zu nehmen und freundlich mit dir zu bleiben. Und nicht jede Überforderung sofort als persönliches Versagen zu bewerten. Gerade an den Tagen, an denen dein Kopf übervoll ist.

Häufige Fragen zu ADHS bei Müttern (FAQ)

Wie erkenne ich ADHS bei mir selbst als Mutter?

Hinweise können zum Beispiel starke Gedankensprünge, Reizüberflutung, Schwierigkeiten mit Organisation, intensives emotionales Erleben, Vergesslichkeit, Probleme mit Routinen oder gleichzeitig ein sehr hoher Ideenreichtum sein. Entscheidend ist meist nicht ein einzelnes Merkmal, sondern das Zusammenspiel mehrerer Muster – oft schon seit der Kindheit.

Ist Chaos im Familienalltag automatisch ADHS?

Nein. Familienalltag ist grundsätzlich lebendig, unordentlich und fordernd. ADHS zeigt sich in der Regel nicht nur durch Chaos, sondern durch eine wiederkehrende Kombination aus Überforderung, innerer Unruhe, Organisationsproblemen, Reizoffenheit oder emotionaler Intensität.

Wird ADHS bei Frauen häufig übersehen?

Ja, sehr oft. Viele Frauen lernen früh, sich anzupassen, Probleme zu überspielen oder besonders viel Energie ins Funktionieren zu stecken. Deshalb wird ADHS bei ihnen oft erst im Erwachsenenalter erkannt.

Muss ich sofort wissen, ob ich ADHS habe?

Nein. Du musst nicht sofort alles einordnen. Manchmal ist der erste Schritt einfach nur zu merken:
So wie ich meinen Alltag erlebe, verdient es Aufmerksamkeit.
Von dort aus kannst du dich in Ruhe weiter informieren.

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Wenn du dich in diesem Artikel wiedergefunden hast

Dann vielleicht nicht, weil du „zu empfindlich“ bist. Nicht, weil du dich anstellst. Nicht, weil du einfach nur besser organisiert sein müsstest. Sondern vielleicht, weil dein Alltag gerade wirklich viel ist. Oder weil dein Kopf anders funktioniert, als du lange gedacht hast. Oder weil beides zusammenkommt.

Du musst nicht sofort eine Diagnose haben, um dich selbst ernst nehmen zu dürfen. Du darfst dir zuhören. Du darfst deine Überforderung wahrnehmen. Du darfst genauer hinschauen. Und du darfst freundlich mit dir bleiben. Denn auch wenn es sich manchmal so anfühlt: Du bist nicht allein mit diesen Gedanken. Wenn du dich in mehreren dieser Situationen wiedererkannt hast, dann bist du damit nicht allein. In meiner Blogserie „Mama oder ADHS?“ geht es genau um diese Fragen: um Mental Load, Reizüberflutung, kreative Köpfe, neurodivergentes Mamasein und darum, wie wir anfangen können, uns selbst besser zu verstehen.